<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" version="2.0" xmlns:itunes="http://www.itunes.com/dtds/podcast-1.0.dtd" xmlns:googleplay="http://www.google.com/schemas/play-podcasts/1.0"><channel><title><![CDATA[Pater Hugo auf Deutsch]]></title><description><![CDATA[Drück auf „Subscribe“ und tauche ein in die Gedankenwelt von Pater Hugo, dem Einsiedler von Warfhuizen. Begleite ihn auf seinen Erkundungen nach dem Geheimnis des Heiligen.]]></description><link>https://www.paterhugo.de</link><image><url>https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!NkMv!,w_256,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fcb49688d-eb03-41bd-a34d-0203655faca4_98x98.png</url><title>Pater Hugo auf Deutsch</title><link>https://www.paterhugo.de</link></image><generator>Substack</generator><lastBuildDate>Sun, 12 Apr 2026 15:19:39 GMT</lastBuildDate><atom:link href="https://www.paterhugo.de/feed" rel="self" type="application/rss+xml"/><copyright><![CDATA[Pater Hugo]]></copyright><language><![CDATA[de]]></language><webMaster><![CDATA[paterhugosubstack@gmail.com]]></webMaster><itunes:owner><itunes:email><![CDATA[paterhugosubstack@gmail.com]]></itunes:email><itunes:name><![CDATA[Pater Hugo]]></itunes:name></itunes:owner><itunes:author><![CDATA[Pater Hugo]]></itunes:author><googleplay:owner><![CDATA[paterhugosubstack@gmail.com]]></googleplay:owner><googleplay:email><![CDATA[paterhugosubstack@gmail.com]]></googleplay:email><googleplay:author><![CDATA[Pater Hugo]]></googleplay:author><itunes:block><![CDATA[Yes]]></itunes:block><item><title><![CDATA[Schriftvergötterung]]></title><description><![CDATA[Jetzt ansehen | Wie man Gott aus der Bibel vertreibt]]></description><link>https://www.paterhugo.de/p/schriftvergotterung</link><guid isPermaLink="false">https://www.paterhugo.de/p/schriftvergotterung</guid><dc:creator><![CDATA[Pater Hugo]]></dc:creator><pubDate>Wed, 31 Dec 2025 11:36:27 GMT</pubDate><enclosure url="https://api.substack.com/feed/podcast/183045792/c3dee77f9a639d18f7a670d9a5519702.mp3" length="0" type="audio/mpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Dieses Video richtet sich an Menschen, die den christlichen Glauben ernst nehmen, ohne ihr Denken an der Kirchent&#252;r abzugeben. Es verbindet klassische katholische Mystik mit philosophischer Klarheit und geistlicher N&#252;chternheit.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Ich kann nicht mehr an Gott glauben]]></title><description><![CDATA[&#220;ber Zweifel, Loslassen und die Angst, Gott zu verlieren]]></description><link>https://www.paterhugo.de/p/ich-kann-nicht-mehr-an-gott-glauben</link><guid isPermaLink="false">https://www.paterhugo.de/p/ich-kann-nicht-mehr-an-gott-glauben</guid><dc:creator><![CDATA[Pater Hugo]]></dc:creator><pubDate>Sun, 21 Dec 2025 08:46:55 GMT</pubDate><enclosure url="https://api.substack.com/feed/podcast/182223135/406ace11a0b4da0fc0c94e58e38d2e9e.mp3" length="0" type="audio/mpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Was, wenn gerade dein Beten deinem Glauben schadet?<br>Was, wenn Gott im Gebet nicht nur formloser, sondern auch wesenloser wird? Was, wenn du tief in dir eigentlich gar nicht mehr glaubst, dass es &#252;berhaupt so etwas wie Gott gibt?</p><p>Stell dir vor: Du bist Priester oder Ordensmensch.<br>Du hast dein ganzes Leben der Suche nach Gott geweiht.<br>Als junger Mensch wurdest du von der Sehnsucht nach Ihm ergriffen.<br>Du meintest, berufen zu sein, und hast &#8211; so gut es ging &#8211; all deine Kr&#228;fte dem Dienst Gottes geschenkt.</p><p>Ein Leben lang hast du dich mit den Kapriolen der Kirche und dem sp&#246;ttischen Staunen deiner ungl&#228;ubigen Mitmenschen abgefunden.<br>Du hast endlose Litaneien in seltsamen Kutten abgespult, mehr Psalmen als Kartoffeln gegessen und Maria mit deinem Rosenkranz fast aus dem Himmel gezerrt.</p><p>Doch du f&#252;hlst es nicht mehr &#8211; und schlimmer noch:<br>Du glaubst es auch nicht mehr wirklich.<br>Inzwischen bist du l&#228;ngst im mittleren Alter, und du kannst nicht einfach von vorn beginnen.<br>Du hast dein Leben einer Illusion geopfert. Oder?</p><p>Was ich hier beschreibe, ist eine der tiefsten &#196;ngste gottgeweihter Menschen: Dass sie am Ende ihres Lebens den Glauben verlieren.<br><br></p><p>Die heilige Theresia wurde schon in jungen Jahren mit dieser Angst konfrontiert &#8211; sie lag ja schon mit vierundzwanzig im Sterben.<br>In ihrem Tagebuch schrieb sie:</p><p>&#8220;Pl&#246;tzlich wird der Nebel, der mich umgibt, dichter.<br>Er dringt in meine Seele ein und h&#252;llt sie so ein,<br>dass es mir nicht mehr gelingt, das sch&#246;ne Bild meiner Heimat wachzurufen. Alles ist verschwunden!</p><p>Wenn mein Herz, m&#252;de von der Dunkelheit ringsum,<br>ein wenig ausruhen m&#246;chte und an jenes leuchtende Land denken will,<br>das ich ersehne, dann wird meine Qual nur noch gr&#246;&#223;er.</p><p>Dann scheint es, als liehe die Finsternis sich die Stimme der S&#252;nder<br>und spr&#228;che voller Hohn zu mir:<br><br></p><p>&#8218;Du tr&#228;umst vom Licht, von einer Heimat voller s&#252;&#223;er D&#252;fte.<br>Du tr&#228;umst davon, den Sch&#246;pfer all dieser Wunder ewig zu besitzen.<br>Du glaubst, befreit zu werden von diesem Nebel, der dich umh&#252;llt.</p><p>Geh nur! Geh weiter!<br>Freue dich auf den Tod, der dir nicht geben wird, was du erhoffst,<br>sondern eine noch dunklere Nacht: die Nacht des Nichts!&#8216;&#8221;</p><p>Und etwas sp&#228;ter:</p><p>&#8220;Mutter, vielleicht meinen Sie, ich &#252;bertreibe meine Pr&#252;fung.<br>Wenn Sie sich an den Versen orientieren, die ich dieses Jahr schrieb,<br>m&#252;ssten Sie denken, meine Seele sei voll von Tr&#246;stungen<br>und der Schleier des Glaubens fast zerrissen.<br>Doch f&#252;r mich ist er kein Schleier mehr &#8211;<br>sondern eine Mauer, die bis in den Himmel ragt<br>und das sternbedeckte Firmament verh&#252;llt.&#8221;</p><p>Theresia konnte schlie&#223;lich doch in Frieden sterben &#8211; aber nur, weil sie sich radikal klein gemacht hat.<br><br></p><p>Ein Leben als &#8222;Berufsgl&#228;ubige&#8220; erzeugt manchmal fast den Eindruck,<br>dass die Realit&#228;t des Himmels und das Dasein Gottes<br>vom eigenen, sturen Festhalten an ihrer Wirklichkeit abh&#228;ngen.<br>Dass sie aufh&#246;ren zu existieren, wenn man seinen Zweifel zul&#228;sst.<br>Dass sie verhungern, wenn man sie nicht n&#228;hrt mit heroischem Vertrauen.<br>Dass sie verblassen, wenn man sie nicht n&#228;hrt mit der Glut der eigenen Aufmerksamkeit.</p><p>Anstatt in versteinerten Gottesbildern zu verharren,<br>hast du nun deine eigene Geisteskraft zu Gott gemacht.<br>Deine spirituelle Spannkraft zum Ma&#223; aller Dinge erhoben.<br>Du bist zu einem Atlas geworden &#8211;<br>dem Riesen, der das Universum auf seinen Schultern tr&#228;gt.</p><p>Diese ungewollte Art von G&#246;tzendienst ist gef&#228;hrlicher als der erste.<br>Gott durchschaut zwar Herz und Nieren und wei&#223;, dass du dich nicht absichtlich an seine Stelle gesetzt hast.<br><br></p><p>Aber seinen Kelch kannst du nicht trinken &#8211; also musst du dich daran verschlucken. Sein Kreuz kannst du nicht tragen &#8211; also musst du darunter zusammenbrechen. Um dieses bedr&#252;ckende Missverst&#228;ndnis zu &#252;berwinden, muss man zun&#228;chst darin ersticken.</p><p>Theresia erstickte buchst&#228;blich &#8211; sie lag im Sterben an der Tuberkulose.<br>Und sie erstickte geistlich in jener raffinierten Falle, die das Leben f&#252;r Priester und Ordensleute bereith&#228;lt.</p><p>Sie, die ihr ganzes Klosterleben darauf verwendet hatte, klein zu werden,<br>m&#252;hte sich zwischen verschwitzten Laken fiebrig ab, den guten Gott durch blo&#223;en Willen aufrechtzuerhalten. Bis sie Ihn schlie&#223;lich mit gr&#246;&#223;ter Erleichterung loslassen konnte.</p><p>&#8222;Ja&#8220;, sagte sie, &#8222;ich glaube wirklich, dass ich letztlich nie etwas anderes gesucht habe als die Wahrheit.&#8220;<br><br></p><p>Sie hatte gesucht &#8211; und oft nicht gefunden. Sie hatte sich vieles eingebildet und vieles viel zu kompliziert gemacht. Wie ein eigensinniges kleines M&#228;dchen hatte sie viel zu viel selbst tun wollen.<br><br></p><p>Aber sie war all die Zeit aufrichtig gewesen. Sie hatte nie absichtlich versucht, sich selbst, ihre Mitmenschen oder gar Gott zu t&#228;uschen.<br>Sie hatte nie etwas anderes gesucht als die Wahrheit. Und was Gott betrifft &#8211; das Absolute, die Wahrheit, die G&#252;te, die Sch&#246;nheit &#8211;,<br>da ist Suchen heimlich auch schon Finden.</p><p>Darum konnte Theresia am Ende auch sagen: &#8222;Ja, ich habe die Demut des Herzens verstanden. Ich glaube, ich bin dem&#252;tig.&#8220;</p><p>Wenn dich diese Beklemmung plagt, ist es vielleicht gar kein schlechter Weg, einfach einmal loszulassen, was du krampfhaft zu retten versuchst.<br>Nicht nach dem zu greifen, was deiner Meinung nach da sein sollte &#8211;<br>sondern einfach da sein zu lassen, was da ist. Manchmal ist gerade das Eingest&#228;ndnis, dass Gott vielleicht gar nicht existiert &#8211; und dass das &#252;brigens nicht von dir abh&#228;ngt &#8211; die beste Chance, Ihm neu zu begegnen.</p><p>Denn wir k&#246;nnen es nicht oft genug wiederholen:<br><br></p><p>Gott ist kein kleines M&#228;nnlein auf dem Mond, das auf einem Dachboden aus Duftwatte und Lichtstrahlen wohnt. Er ist der Grund allen Seins, die Quelle der Wirklichkeit. Raum und Zeit gehen aus seiner Hand hervor,<br>und in Ihm leben, bewegen und sind wir. Ja, Er ist eine Person. Er lebt.<br>Wenn du Ihn rufst, h&#246;rt Er dich. Wenn du zu Ihm aufblickst, schaut Er dich an. Er kennt dich und erkennt dich. Er will, dass du bist und dass du lebst.<br>Er liebt dich.<br><br></p><p>Aber nicht wie dein Vater, deine Mutter, deine Br&#252;der oder Schwestern.</p><p>Er ist keine Person in dem Sinn, wie wir Personen um uns herum erleben:<br>Menschen mit begrenztem Bewusstsein, mit Charakterz&#252;gen, St&#228;rken und Schw&#228;chen, mit einer Lebensgeschichte von vielleicht siebzig Jahren, oder achtzig, wenn sie stark sind.<br><br></p><p>Und Er steht auch nicht au&#223;erhalb von uns, so als m&#252;sste Er raten, was uns bewegt, oder uns fragen, was uns umtreibt. Er ist uns n&#228;her, als wir uns selbst nahe sind, w&#252;rde Augustinus sagen.</p><p>Ich selbst halte den Rat von Abba Isaak aus der &#228;gyptischen W&#252;ste des vierten Jahrhunderts f&#252;r den weisesten: Weiterbeten, immer wieder zu Gott zur&#252;ckkehren &#8211; ob es Ihn nun gibt oder nicht. Denn das wird Er schon selbst entscheiden.</p><p>Und vielleicht gelingt es dir in diesem Zustand nicht, das lange durchzuhalten. Dann eben Sto&#223;gebete! In diesem Fall ist vielleicht das Gebet jenes Vaters aus dem Matth&#228;usevangelium ein gutes Gebet f&#252;r dich:<br>Sein Sohn lag im Sterben, und Jesus fragte ihn, ob er glauben k&#246;nne.<br>&#8222;Ich glaube &#8211; hilf meinem Unglauben!&#8220; sagte er.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Steck Gott nicht in eine Schublade]]></title><description><![CDATA[&#220;ber Framing, Gottesbilder und das Loslassen im Gebet]]></description><link>https://www.paterhugo.de/p/steck-gott-nicht-in-eine-schublade</link><guid isPermaLink="false">https://www.paterhugo.de/p/steck-gott-nicht-in-eine-schublade</guid><dc:creator><![CDATA[Pater Hugo]]></dc:creator><pubDate>Sun, 21 Dec 2025 08:17:12 GMT</pubDate><enclosure url="https://api.substack.com/feed/podcast/182222253/828d399f21d0f6bf0855b9da4daaf0b3.mp3" length="0" type="audio/mpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Du kommst aus Deutschland &#8211; also bist du immer tod&#173;ernst, &#252;berkorrekt, liebst Regeln und Autorit&#228;ten. Stimmt&#8217;s? Nein?</p><p>Wirfst du etwa gern Eier auf die Polizei?<br>Nackt?</p><p>Oder&#8230; ich sehe schon, das irritiert dich.<br>Ein bisschen d&#252;nnh&#228;utig bist du aber schon, oder?</p><p>Nein?</p><p>Du magst Ballett?<br>Also bist du sicher schwul.</p><p>Was f&#252;r ein h&#252;bsch-buntes Outfit du tr&#228;gst!<br>Du w&#228;hlst bestimmt links, oder?</p><p>Nichts ist so &#228;rgerlich wie ein Etikett, das dir von au&#223;en aufgeklebt wird und nichts mit dir zu tun hat.<br>Wir Menschen stecken einander st&#228;ndig in Schubladen &#8211; und hassen es zugleich, selbst hineingesteckt zu werden. Es beengt uns. Wir wollen frei sein, wir selbst sein d&#252;rfen.</p><p>Und doch empfinden wir es in anderen Momenten als tr&#246;stlich und sicher, zu einer Gruppe zu geh&#246;ren. Dann passen wir unsere Vorlieben und &#220;berzeugungen an, nur um dazuzugeh&#246;ren &#8211; und stecken uns freiwillig wieder selbst in eine Schublade.</p><p>Alles ist verwirrend, weil der Mensch verwirrend ist.</p><p>Ich zum Beispiel habe eine ausgesprochene Vorliebe f&#252;r die alte lateinische Messe.<br>Warum und wieso, tut hier nichts zur Sache.<br>Sehr wohl aber die Schlussfolgerungen, die andere sofort daraus ziehen.</p><p>Ach &#8211; die alte Messe.<br>Also liebst du Thomas von Aquin und die aus ihm abgeleiteten theologischen Handb&#252;cher.<br>Du bist sicher ethisch konservativ, fixiert auf Sexualit&#228;t, Abtreibung, Sterbehilfe &#8211; und vor allem auf Homosexuelle.<br>Du bist gegen Vielfalt und Nachhaltigkeit, w&#228;hlst wahrscheinlich rechtsextrem und h&#246;rst ausschlie&#223;lich klassische Musik von eher br&#228;unlicher Sorte. Wagner und so.</p><p>In Wirklichkeit finde ich die Theologie des Thomas von Aquin meist unertr&#228;glich langweilig &#8211; die seiner Nachfolger sogar unertr&#228;glich schlecht.<br>Mich interessieren fast ausschlie&#223;lich mystische Theologen. Andere lese ich auch, aber meist aus Pflichtgef&#252;hl.</p><p>Ethisch sch&#228;tze ich klassische Werte, aber nicht notwendigerweise klassische Normen.<br>Ich habe nichts gegen Homosexuelle und interessiere mich ernsthaft f&#252;r &#246;kologische Fragen.<br>Und es gibt keinen einzigen Gedanken in mir, der meint, es sei eine gute Idee, alle Muslime aus dem Land zu werfen.</p><p>Ich w&#228;hle meistens irgendetwas aus der politischen Mitte und liebe frankophonen Rap aus Belgien.<br>Wenn ich klassische Musik h&#246;re, ist sie oft kanadisch oder hindi &#8211; also aus Indien.</p><p>Menschen, die mich in ein Framing pressen und nicht damit aufh&#246;ren wollen, meide ich.<br>Denn ich m&#246;chte ich selbst sein d&#252;rfen.</p><p>Aber was ist, wenn es um Gott geht?</p><p>Auch er will er selbst sein d&#252;rfen.<br>Und doch legen wir ihn st&#228;ndig fest, stecken ihn in eine Schublade &#8211; oder gleich in zehn.</p><p>Dionysius der Areopagit schrieb dar&#252;ber bereits im sechsten Jahrhundert in seiner <em>Mystischen Theologie</em>.<br>Er sagt sinngem&#228;&#223;:<br>Wir geben der Ursache, die &#252;ber allem steht, eine Gestalt, die wir auf das Niedrigste gr&#252;nden, das es &#252;berhaupt gibt. Und so tun wir, als w&#228;re Gott nicht erhaben &#252;ber diesen ungeheuren Haufen unfrommer Bilder, den wir uns zusammengezimmert haben.</p><p>Gott ist die Ursache von allem. Darum m&#252;ssen wir ihm einerseits alle Eigenschaften zuschreiben.<br>Aber zugleich &#8211; und noch viel zutreffender &#8211; m&#252;ssen wir all das auch wieder verneinen. Denn er steht &#252;ber allem Seienden.<br>Und glaube nicht, dass das, was du verneinst, im Widerspruch st&#252;nde zu dem, was du zuvor bejaht hast.</p><p>Gott ist &#252;ber jede Verneinung ebenso erhaben wie &#252;ber jede Bejahung.<br>Alles, was du &#252;ber ihn sagst, musst du zugleich wieder zur&#252;cknehmen.<br>Jede Eigenschaft, die er zu haben scheint, besitzt er auch in gegenteiliger Weise:<br>Er ist die strahlende Dunkelheit, das hallende Schweigen, das k&#252;hlende Feuer.</p><p>Diejenigen von uns, die sich intensiv mit diesen Dingen besch&#228;ftigen, verstehen das meist mit dem Verstand.<br>Doch unser Gef&#252;hlshaushalt hat seinen eigenen Willen. Unaufhaltsam dr&#228;ngt er darauf, Gott wieder in Bilder zu pressen &#8211; Bilder, die dann ein Eigenleben entwickeln und uns den Blick auf ihn verstellen.</p><p>Dieser Prozess h&#246;rt fast nie auf. Wir k&#246;nnen einfach nicht anders.</p><p>Und dann tut Gott &#8211; oder sie, oder es &#8211; genau das, was auch wir an seiner Stelle tun w&#252;rden:<br>Er zieht sich zur&#252;ck. Er entzieht sich unserem Beten.</p><p>Dann wird es in uns dunkel und leer.<br>Denn unsere Gottesbilder haben keine Seele mehr, keine pers&#246;nliche Gegenwart.<br>Ihre wahre Natur tritt zutage: Es sind blo&#223; Bilder, Vorstellungen, kleine P&#252;ppchen &#8211; eigentlich G&#246;tzen. Meist nicht absichtlich gemacht, sondern unbemerkt gewachsen.</p><p>Sie schauen nicht zur&#252;ck, wenn du sie anschaust.<br>Wenn du ihnen dein Herz aussch&#252;ttest, schweigen sie ohrenbet&#228;ubend.<br>Wenn du Geborgenheit suchst, findest du sie nicht.<br>Sie sind kalt und seelenlos wie der Tod selbst.</p><p>Darum musst du ihnen den letzten Sto&#223; geben.<br>Loslassen. Zerbrechen lassen.</p><p>Aber das verlangt gro&#223;e Selbstbeherrschung.<br>Denn du h&#228;ngst an ihnen. Du willst sie retten, bewahren, verteidigen.</p><p>Genau hier werden Menschen fanatisch oder fundamentalistisch.<br>Dann muss ihr Gott um jeden Preis gerettet werden &#8211; fast immer auf Kosten des anderen.</p><p>Doch ein Gott, den du tragen musst, statt dass er dich tr&#228;gt, ist nicht anbetungsw&#252;rdig.</p><p>Denn ob du es nun witzig findest oder nicht:<br>Eines Tages wirst du sterben.<br>Deine ganze Spannung wird nachlassen.<br>Alles, was du festgehalten hast, musst du loslassen.</p><p>Und dann w&#228;re es gut, wenn sich herausstellt, dass Gott dich all die Zeit getragen hat &#8211; und nicht du Gott.<br>Denn wenn Letzteres der Fall ist, werdet ihr gemeinsam fallen.</p><p>Gott l&#228;sst sich nicht greifen, nicht begreifen, nicht einmal benennen.<br>Er &#252;bersteigt alle Namen, Bilder und Blicke &#8211; und entgleitet zugleich.</p><p>Deine eigene Seele tut im Grunde dasselbe.<br>Sie geht in jedem Moment ihres Daseins aus eben dieser unbenennbaren Herrlichkeit hervor.<br>Sie empf&#228;ngt sich selbst aus ihr.</p><p>Meister Eckhart schreibt dar&#252;ber:<br>Wollte Gott je in das Innerste der Seele schauen, m&#252;sste ihn das alle seine g&#246;ttlichen Namen kosten, ja selbst seine personale Eigenart. All das m&#252;sste er drau&#223;en lassen.</p><p>So wie Gott eine einfache Einheit ist &#8211; ohne jedes Wie und jede Eigent&#252;mlichkeit &#8211;, so tritt er ein in das Eine, das ich das <em>B&#252;rglein der Seele</em> nenne.<br>Und auf keine andere Weise tritt er dort ein.</p><p>In diesem innersten Grund ist die Seele Gott gleich &#8211; und in nichts anderem.</p><p>Was ich euch gesagt habe, ist wahr.<br>Als Zeugen rufe ich die Wahrheit selbst und meine Seele als Pfand.</p><p>M&#246;gen wir ein solches B&#252;rglein sein,<br>in dem Jesus aufsteigt, empfangen wird und ewig bleibt &#8211; auf die Weise, die ich beschrieben habe.</p><p>Dazu helfe uns Gott.<br>Amen.</p><p>Wenn du also kein Bild von Gott hast und dir die Worte fehlen, wenn man dich nach ihm fragt, dann ist das nicht unbedingt schlimm.</p><p>Beten hei&#223;t loslassen<br>und Raum schaffen.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Zwischen Eifer und Nüchternheit]]></title><description><![CDATA[Warum geistlicher Ehrgeiz selten zum Ziel f&#252;hrt]]></description><link>https://www.paterhugo.de/p/zwischen-eifer-und-nuchternheit</link><guid isPermaLink="false">https://www.paterhugo.de/p/zwischen-eifer-und-nuchternheit</guid><dc:creator><![CDATA[Pater Hugo]]></dc:creator><pubDate>Sun, 21 Dec 2025 08:08:02 GMT</pubDate><enclosure url="https://api.substack.com/feed/podcast/182222025/04f1e55f0968dce436dc3d83bd60e04f.mp3" length="0" type="audio/mpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ich gehe Gott suchen!</strong> Und ehe ich mich versehe, schwebe ich schon auf bauschigen Wolken in einem sanft umh&#252;llten Schimmer unter dem Kirchgew&#246;lbe. Wohlriechende Stigmata erscheinen an meinen H&#228;nden und F&#252;&#223;en. Sie tun zwar weh, aber nicht wirklich schlimm &#8211; eher der Form halber.</p><p>Aus meinem Hinterteil str&#246;mt ein s&#252;&#223;es, seliges Licht, das dumme Atheisten unversehens in Psalmen ausbrechen l&#228;sst, und mein Wort bringt P&#228;pste zum Schaudern vor ehrf&#252;rchtiger Verz&#252;ckung.</p><p>Ich m&#246;chte nicht wissen, wie viele Menschen sich ein Leben lang an solchen pubert&#228;ren Fantasien festklammern &#8211; sei es vielleicht in etwas subtilerer Form. Anders l&#228;sst sich der Erfolg mancher spiritueller Botschaften, innerhalb wie au&#223;erhalb der Kirche, kaum erkl&#228;ren: Botschaften, die auf seltsame Erscheinungen und Ph&#228;nomene fixiert sind.</p><p>In der esoterischen Szene ist das &#8222;Manifestieren&#8220; gerade wieder im Trend. Das war schon in meiner Jugend modern &#8211; damals ausgel&#246;st durch das alberne Buch <em>The Secret</em>. Es verk&#252;ndete, man k&#246;nne alles bekommen, was das Herz begehre, indem man sich einfach vorstelle, es schon zu besitzen. Wenn man nur positiv genug denke, w&#252;rde das Universum &#8211; oder was auch immer &#8211; einem alles in den Scho&#223; legen: Liebe, Lebensgl&#252;ck, Ferraris, Villen mit Swimmingpool, einen Waschbrettbauch&#8230;</p><p>Das Ph&#228;nomen verschwand dann auch wieder &#8211; es war so sterbensd&#228;mlich, dass ich ehrlich gesagt nicht damit gerechnet hatte, es je wiederzusehen. Und doch: Kuckuck, da ist es wieder! Die F&#228;higkeit des Menschen zur Selbstt&#228;uschung bleibt erstaunlich.</p><p>Doch auch innerhalb der Kirche kann einiges schiefgehen. Sonderbare Marienerscheinungen drohen in endlosen Tiraden mit dem Weltuntergang. Sie verlangen bizarrste Andachtsformen &#8211; sonst holen sie dich! Sie fl&#252;stern ihren Seherinnen geheime Botschaften ins Ohr und hinterlassen unausl&#246;schliche Zeichen &#8211; meist unsichtbar, versteht sich, denn so geh&#246;rt sich das.</p><p>Ihr Publikum besteht in der Regel aus frommen Damen gesetzteren Alters, aber manchmal gelingt es ihnen sogar, Teile des Klerus f&#252;r sich zu gewinnen.</p><p>So ist in den Niederlanden die Amsterdamer Erscheinung der &#8222;Frau aller V&#246;lker&#8220; an Ida Peerdeman ber&#252;chtigt. Sie brillierte mit apokalyptischen Visionen, deren sich selbst Hieronymus Bosch nicht gesch&#228;mt h&#228;tte. Und sie ermutigte den niederl&#228;ndischen General Van Heutsz, Indonesien mit Gewalt f&#252;r die Niederlande zu behalten.</p><p>Das klingt verr&#252;ckt &#8211; und ist es auch. Dennoch erkannte der damalige Bischof von Haarlem im Jahr 2002 die &#220;bernat&#252;rlichkeit dieser Erscheinung an. Erst vor wenigen Jahren hat die Glaubenskongregation das Ganze mit hochrotem Kopf wieder zur&#252;ckgenommen.</p><p>Wenn das Problem auf dieser Ebene bliebe, k&#246;nnten wir vielleicht noch damit leben. Hin und wieder ein paar fromme Omas beruhigen und hie und da einen Eimer Weihwasser aussch&#252;tten &#8211; das w&#228;re machbar. Doch leider gibt es diese Tendenzen auch subtiler &#8211; und durchaus auch unter M&#246;nchen.</p><p>Denn wenn man Tag f&#252;r Tag sein Leben im Stundengebet und in stiller Meditation hingibt &#8211; darf man dann nicht auch erwarten, dass dabei etwas herauskommt? Dass man mit der Zeit eine gelassene, weise Pers&#246;nlichkeit wird? Jemand, der anderen mit klugen Ratschl&#228;gen zur Seite steht und gewisserma&#223;en Achtung genie&#223;t? Selbst wenn man sich solche Gedanken nicht laut eingesteht &#8211; sie schlagen doch nur zu leicht Wurzeln in den unbemerkt gebliebenen, staubigen Ecken der Seele.</p><p>Am deutlichsten merkt man das, wenn ein Mitbruder ernster genommen wird als man selbst &#8211; wenn er mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung bekommt. Wenn dann das gr&#252;n&#228;ugige Ungeheuer in einem aufsteigt, ist das ein sicheres Zeichen daf&#252;r, dass im Seelenkeller noch aufger&#228;umt werden muss.</p><p>Das &#196;rgerliche ist: Einerseits verlangt dieses Leben eine enorme Treue. Jeden Tag: Matutin, Laudes, Vesper, und so weiter und so fort. Man wei&#223; jetzt schon, was man in zehn Jahren um viertel nach sechs tun wird &#8211; sofern man dann noch lebt. Auch hat man nie die Herrschaft &#252;ber seine eigene Zeit, &#252;ber Essen und Trinken, Kommen und Gehen.</p><p>Und zugleich wird erwartet, dass man so lebt, als ob man keinerlei Fortschritt davon erwarte &#8211; auch bei gr&#246;&#223;ter Anstrengung. Damit ist eigentlich jeder M&#246;nch per definitionem ein Narr um Christi willen. Man schuftet sich zu Tode, ohne auch nur pers&#246;nliche Entwicklung davon erwarten zu d&#252;rfen.</p><p>Denn sobald man feststellt, dass man gewachsen ist, ist man schon gefallen und muss von vorne beginnen. Nicht einmal die gew&#246;hnliche Lebensweisheit, die sich auch einfache Laien ab f&#252;nfzig gern selbst zusprechen, wird einem zuteil. Denn selbst die gilt f&#252;r M&#246;nche als Eitelkeit.</p><p>Das alles soll nat&#252;rlich nicht entmutigen. Die Liebe selbst ist mehr als genug Lohn. Aber vielleicht hilft es, mit beiden F&#252;&#223;en auf dem Boden zu bleiben, wenn man &#252;ber die Gestaltung seines Wachens und Betens, seines Essens und Fastens, seines Lesens und Verzichten-M&#252;ssens nachdenkt.</p><p>Ein n&#252;chternes Leben, um nicht von Dingen und kleinen Vergn&#252;gungen abh&#228;ngig zu werden, ist wichtig und gesund. Aber ein spirituelles Hochleistungssportlerdasein ist immer zum Scheitern verurteilt.</p><p>Junge M&#246;nche in einem Kloster st&#252;rzen sich oft mit Feuereifer in Askese und lange Gebete. Aber sie k&#246;nnen es nicht, denn Vater Abt und der Novizenmeister schieben dem einen Riegel vor. Einsiedler hingegen k&#246;nnen sich in aller Freiheit verrennen.</p><p>Oh, was f&#252;r eine sch&#246;ne Litanei ist das! Die bete ich k&#252;nftig nach jeder Hore! Und die f&#252;nfhundert von Optina &#8211; wie herrlich klar wird man davon! Dreihundert Jesusgebete, hundert Mal &#8222;Heilige Gottesgeb&#228;rerin, rette mich!&#8220;, hundert Mal &#8222;Alle Heiligen Gottes, bittet f&#252;r mich!&#8220; Und dann noch der Akathistos zum heiligen Wolbodo von Ottokaufbeurensteinerfehn &#8211; zum Heulen r&#252;hrend.</p><p>Und ehe man sich versieht, wird man erdr&#252;ckt von einem Berg wundervoller Gebete von der Gr&#246;&#223;e eines Sattelschleppers. Wenn man dann nicht alles jeden Tag fromm und vollst&#228;ndig verrichtet, sch&#228;mt man sich vor Gott. Man bildet sich ein, dass Er den Kopf sch&#252;ttelt, einen verachtet, einen nicht mehr liebt.</p><p>Noch schlimmer ist es, wenn man es tats&#228;chlich schafft, alles bis zum letzten Punkt und Komma abzuleisten. Dann ist die Gefahr, dem Gestank des Eigend&#252;nkels zu entkommen, &#228;u&#223;erst gering.</p><p>Abba Moses erz&#228;hlte dem heiligen Cassianus, dass er in seiner Jugend in der Gegend lebte, wo auch der heilige Antonius der Gro&#223;e wohnte. Dort hatte sich einst eine gro&#223;e Gruppe W&#252;stenv&#228;ter versammelt, um eine Art Synode &#252;ber heilsame Praktiken auf dem Weg zu Gott abzuhalten. Sie tagten tagelang, bis sie sich einig waren: Sie entwarfen ein exquisites Programm f&#252;r ein vollkommenes M&#246;nchsleben.</p><p>Da r&#228;usperte sich der gro&#223;e Antonius und sprach:<br>&#8222;Alles, was ihr genannt habt, ist gewiss n&#252;tzlich, ja vielleicht notwendig f&#252;r jene, die nach Gott d&#252;rsten und sich sehnen, ihn zu finden. Doch sehen wir oft, dass gerade diejenigen, die sich am strengsten ans Fasten und Wachen halten, die in wundersamer Einsamkeit leben, die auf jeglichen Besitz verzichten und sich nicht einmal Brot f&#252;r einen Tag oder eine M&#252;nze aufheben, die auch noch die Gastfreundschaft mit gr&#246;&#223;tem Eifer pflegen &#8211; dass gerade diese pl&#246;tzlich st&#252;rzen.</p><p>Es gelingt ihnen nicht, das Werk, das sie so gut begonnen haben, auch zu einem guten Ende zu bringen, und sie stehen besch&#228;mt da. &#220;bertreibung jeglicher Art ist immer der Tod im Topf. Diese M&#246;nche litten an einem Mangel an Unterscheidung.</p><p>Unterscheidung bewahrt den M&#246;nch auf der rechten Seite davor, dass seine guten Eigenschaften ihn aufbl&#228;hen. Vor einem &#252;bertriebenen Eifer, der jedes Ma&#223; sprengt und von albernem Stolz befeuert wird. Auf der linken Seite bewahrt die M&#228;&#223;igung davor, dass der M&#246;nch seinen fleischlichen Neigungen nachgibt, dem Hang zur Bequemlichkeit. Der verkleidet sich gern als F&#252;rsorge f&#252;r den K&#246;rper, macht aber in Wahrheit weichlich und geistig lau.&#8220;</p><p>Wenn du also Lust versp&#252;rst, deine t&#228;gliche Regel um eine gewaltige Liste von Gebeten zu erweitern&#8230; Wenn du denkst, du k&#246;nntest ruhig noch fr&#252;her aufstehen und noch weniger essen&#8230; Wenn du meinst, ein St&#252;ck Stacheldraht um den Kn&#246;chel oder Kieselsteine in den Schuhen w&#228;ren eine gute Idee, um Entsagung zu lernen&#8230;</p><p>&#8230;dann k&#246;nntest du auch einfach einmal versuchen, all die einfachen Dinge zu tun, die ohnehin dran sind &#8211; und bei denen du immer wieder scheiterst: Geduld haben, wenn dir jemand auf die Nerven geht. Dich sauber halten und deine Klause wischen, den Rasen m&#228;hen und die Hecken schneiden, die Handt&#252;cher falten und die Kerzenreste auskratzen. Nicht schludern beim Stundengebet. Freundlich sein zu Menschen, die dich langweilen.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Und du denkst an Bratwürste]]></title><description><![CDATA[&#220;ber Zerstreuung, Scham und Vertrauen im Gebet]]></description><link>https://www.paterhugo.de/p/und-du-denkst-an-bratwurste</link><guid isPermaLink="false">https://www.paterhugo.de/p/und-du-denkst-an-bratwurste</guid><dc:creator><![CDATA[Pater Hugo]]></dc:creator><pubDate>Sun, 21 Dec 2025 08:01:10 GMT</pubDate><enclosure url="https://api.substack.com/feed/podcast/182221374/6042ee4d3867ac71568c04019e3d085c.mp3" length="0" type="audio/mpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Du kennst das bestimmt: Du hast dir endlich einmal wirklich Zeit zum Beten freigehalten. Und &#8211; Wunder &#252;ber Wunder &#8211; es ist dir sogar gelungen, rechtzeitig dazusitzen.</p><p>Du hast nicht verschlafen, die Zeit nicht vergessen, keine Ausreden erfunden, um andere Dinge vorzuziehen. Dinge, die eigentlich weniger wichtig sind als das Gebet, aber die doch irgendwie immer ein klein wenig dringlicher scheinen, als jetzt einfach einmal zur richtigen Zeit die Laudes zu singen oder kurz den Kopf in die Kapelle zu stecken, um das Allerheiligste zu gr&#252;&#223;en.</p><p>Wichtiger als die Meditation, die du dir vorgenommen hattest, oder dein Rosenkranzspaziergang. Und wie oft hast du es am Ende nicht einmal geschafft, &#252;berhaupt einen Anfang zu machen. Zu oft hast du wieder irgendeinen Vorwand gefunden, um in letzter Minute doch noch etwas anderes zu tun. Irgendwas mit dem Internet, meistens.</p><p>Aber diesmal war es anders. All diese Hindernisse hast du diesmal &#252;berwunden, und da sitzt du nun &#8211; frisch und aufger&#228;umt &#8211;, bereit, dein Herz zu Gott zu erheben.</p><p>Und dann denkst du pl&#246;tzlich daran, dass da noch Bratw&#252;rste im K&#252;hlschrank liegen, die bald ablaufen und dringend gegessen werden sollten. Und du denkst daran, dass du den Geruch deiner Mutter vermisst. Und du l&#228;chelst bei der Erinnerung an deinen Bruder, der, als er acht war, weinend aus dem Skilift kam, weil er auf dem Weg nach oben in die Hose gemacht hatte.</p><p>Und du denkst an &#8230; Gaza, Schnorcheln, Hagebuttentee, H&#228;morrhoiden, Wladimir Putin, dein Fahrrad ist kaputt. Du denkst und denkst &#8211; und setzt noch einen drauf. Und das Beten wird beinahe unm&#246;glich. Denn deine Gedanken h&#228;ngen quengelnd um deine Seele wie eine M&#252;ckenschwarm um dein Bett, wenn du zu schlafen versuchst.</p><p>Evagrius hat das einmal sehr treffend beschrieben in seinem Buch &#252;ber das Gebet:</p><p>&#8222;Achte beim Gebet genau auf dein Ged&#228;chtnis, damit es dich daran erinnert, dass du dich in der Gegenwart Gottes befindest. Erlaube ihm nicht, dich durch Erinnerungen an deine Leidenschaften abzulenken. Der Geist hat n&#228;mlich die z&#228;he Gewohnheit, sich im Gebet auspl&#252;ndern zu lassen. Dann f&#252;hrt dein Ged&#228;chtnis dir Fantasien vor, oder Dinge aus der Vergangenheit, oder Sorgen von heute, oder das Gesicht eines Menschen, der dich verletzt hat.&#8220;</p><p>Und du f&#252;hlst dich schuldig. Denn ist es nicht ein Vorrecht, &#252;berhaupt frei zu sein, um beten zu d&#252;rfen? Und ist Gott nicht vielleicht die ehrfurchtgebietendste Wirklichkeit, die es gibt?</p><p>Er hat alles erschaffen, und ohne ihn ist nichts geworden von dem, was geworden ist, und ohne ihn bleibt nichts bestehen. Die ganze Wirklichkeit h&#228;ngt in ihm. Er k&#246;nnte zerst&#246;rerischer sein als ein neuer Urknall &#8211; alle Kraft und Macht ist in ihm verdichtet.</p><p>Seine Stimme ist sch&#246;ner als die sch&#246;nste Musik und ruft das ganze Universum ins Leben. Sein Sprechen ist nur scheinbar unh&#246;rbar: Der Tag sagt es dem n&#228;chsten Tag, und die Nacht fl&#252;stert es der folgenden Nacht. Auf sein Wort brechen die Reben in Knospen aus und &#246;ffnen sich die Sternenblumen am Abendhimmel in funkelndem Fl&#252;stern. Pulsierende Wortlein, die sich nach ihm verzehren.</p><p>Warum also kannst du deine Aufmerksamkeit nicht auf ihn gerichtet halten? Keine zehn Minuten lang? Er ist hier und jetzt f&#252;r dich gegenw&#228;rtig, als das k&#246;stlichste Geheimnis, das alles &#252;bersteigt &#8211; und du denkst an Bratw&#252;rste? Was bist du f&#252;r ein M&#246;nch? Vollidiot!</p><p>Ehe du dich versiehst, beschimpfst du dich selbst und trampelst dich innerlich nieder. Dass gerade das es noch unm&#246;glicher macht, Gottes Stimme zu h&#246;ren &#8211; geschweige denn seine N&#228;he zu genie&#223;en &#8211; kommt dir da schon gar nicht mehr in den Sinn.</p><p>Du bist dann genau wie jemand, der im Bett liegt und nicht einschlafen kann. Immer &#246;fter hebt er den Kopf, um auf seinen Wecker zu schauen, und mit jedem Blick wird es sp&#228;ter. Je mehr die Uhr von der Nacht geschluckt hat, desto unruhiger wird er, und desto unwahrscheinlicher scheint es, dass er vor der Morgend&#228;mmerung noch zur Ruhe findet.</p><p>Was kann man tun? Denn man muss doch irgendetwas tun, oder? Wie kann ein solches Gebet &#252;berhaupt irgendeinen Sinn haben?</p><p>Und genau da liegt der Irrtum. Der Sinn des Gebets liegt nicht im Herunterleiern von Anliegen. Als ob der gute Gott vergesslich w&#228;re und du ihn daran erinnern m&#252;sstest, dass irgendwo Menschen belagert und in die Luft gesprengt werden.</p><p>Oder hier um die Ecke mit Krebs ringen und schwere Behandlungen durchstehen. Oder gestorben sind und erl&#246;st werden m&#252;ssen.</p><p>&#8222;Herr, denkst du bitte daran, dass Tante Greta neue Knie bekommen soll und das eine ziemlich riskante Angelegenheit ist? Und vergiss nicht, Emma und Bj&#246;rn wohlbehalten aus Portugal zur&#252;ckzubringen?&#8220;</p><p>Viele meinen auch noch, Gott k&#246;nne sie nur h&#246;ren, wenn sie ganz laut in Gedanken sprechen &#8211; und konzentrieren sich so sehr auf Tante Gretas Knie, dass sie selbst zu Tante Gretas Knie werden, sozusagen.</p><p>Das alles ist nat&#252;rlich Unsinn. Gott wei&#223; von allen Knien, Operationen, Flugreisen und Chemotherapien. Er tr&#228;gt alles und ist allem voraus. Dass du dich mit all dem solidarisch verbindest und es in Gott hineintr&#228;gst, hat gewiss Sinn, weil jede Liebe sinnvoll ist. Aber buchhalterische Pr&#228;zision ist dabei wirklich nicht n&#246;tig.</p><p>Ein weiteres Missverst&#228;ndnis ist, dass Gebet vor allem darum ginge, Gottes Gegenwart zu sp&#252;ren. Wie du inzwischen wahrscheinlich gemerkt hast, ist Gott definitionsgem&#228;&#223; immer und &#252;berall gegenw&#228;rtig. Ob du das gef&#252;hlsm&#228;&#223;ig miterlebst oder nicht, spielt dabei keinerlei Rolle.</p><p>Nicht das Erleben z&#228;hlt, sondern &#8211; da sind wir wieder &#8211; die Liebe, die du in dein Gebet hineingie&#223;t. Diese Liebe zeigt sich nicht in der Menge an r&#252;hrseligen oder s&#252;&#223;en Gef&#252;hlen, die du hast oder nicht hast. Schon gar nicht in dem Trost, den du empfindest &#8211; oder eben nicht.</p><p>Denn Gef&#252;hle drehen sich um dich selbst und haben mit dem Beten nichts zu tun. Beim Gebet z&#228;hlen deine Gef&#252;hle &#252;berhaupt nicht. Die g&#246;ttliche Tugend der Liebe wird nicht mit deinen Gef&#252;hlen ge&#252;bt, sondern mit deinem Willen.</p><p>Lieben hei&#223;t nicht, vor R&#252;hrung zu zerflie&#223;en, sondern aus tiefstem Herzen wollen, dass der andere existiert, ihm Gutes w&#252;nschen, sein Gedeihen und Aufbl&#252;hen wollen. Diese Liebe, dieser Einsatz des Willens, tr&#228;gt auch das Gebet.</p><p>Und es wird dich nicht &#252;berraschen, dass sie sich in diesem irdischen Tr&#228;nental meist als Treue zeigt: Immer wieder zur&#252;ckkommen, neu anfangen und im gewissen Sinne durchhalten.</p><p>Nicht aus eigener Kraft wie ein Leistungssportler &#8211; das wirkt zwar stark, ist aber in Wahrheit verkleideter Stolz. Wenn du es so versuchst, bekommst du garantiert ein Gebet voller Bratw&#252;rste, Familienerinnerungen, juckender Zehen und vergessener Eink&#228;ufe.</p><p>Durchhalten &#228;u&#223;ert sich nicht in zusammengekniffenen Pobacken, sondern in Vertrauen. Sich Gott &#252;berlassen. Nicht f&#252;hlen, dass er da ist und alles tr&#228;gt &#8211; sondern diese Tatsache einfach annehmen als selbstverst&#228;ndliche Wahrheit.</p><p>Und ihn dann freundlich, aber beharrlich bitten, dich zu tragen. Dich und all die Gebetsanliegen, die in deinem Herzen leben. Nicht einmal &#8211; sondern wenn n&#246;tig tausend Mal.</p><p>Oft nimmt man dazu Sto&#223;gebete. Der Beginn der meisten Horen ist ein ber&#252;hmtes Beispiel: &#8222;Gott, komm mir zu Hilfe. Herr, eile, mir zu helfen.&#8220; Es stammt vom W&#252;stenvater Abba Isaak und gelangte &#252;ber den heiligen Kassian in die benediktinische Spiritualit&#228;t.</p><p>Kassian empfahl es gerade f&#252;r Zeiten, in denen das Gebet stockt:</p><p>&#8222;Wenn ich durch Reize von Zorn, Habgier oder Traurigkeit unruhig gemacht werde und gezwungen bin, jene Sanftmut, zu der ich mich verpflichtet habe &#8211; und die mir so lieb ist &#8211;, aufzugeben, dann handle ich so:</p><p>Damit mich die Erregung des Zorns nicht in giftige Bitterkeit entf&#252;hrt, rufe ich aus &#8211; unter einem Berg von Seufzern: &#8218;O Gott, neige dich zu mir und hilf mir! Herr, eile, mir zu helfen!&#8216;</p><p>Wenn ich schwer gepr&#252;ft werde durch Anfl&#252;ge von Akedia, Eitelkeit oder Hochmut und mein Geist sich insgeheim darin verliert zu denken, dass andere nachl&#228;ssig oder lau sind, dann muss ich beten.</p><p>Damit mich die &#252;ble Eingebung des Feindes nicht &#252;berw&#228;ltigt, muss ich mit ganz zerknirschtem Herzen beten: &#8218;O Gott, neige dich zu mir und hilf mir! Herr, eile, mir zu helfen!&#8216;</p><p>Wenn ich den Hochmut mit unabl&#228;ssigem Reuesinn beiseitegeschoben habe, wenn ich die Gnade der Demut und der Einfalt empfangen habe, dann muss ich zu Gott hinausschreien.</p><p>Damit mich nicht erneut die Ferse des Hochmuts zertritt und die Hand des S&#252;nders mir keinen Ansto&#223; gibt, muss ich mit aller Kraft rufen: &#8218;O Gott, neige dich zu mir und hilf mir! Herr, eile, mir zu helfen!&#8216;</p><p>Wenn ich &#252;berkocht werde von Myriaden seelischer Ablenkungen und mit unbest&#228;ndigem Herzen meine zerstreuten Gedanken nicht mehr b&#228;ndigen kann, dann muss ich Gott mein Elend klagen.</p><p>Wenn ich meine Gebete nicht einmal mehr sprechen kann, ohne sie zu unterbrechen oder mich von t&#246;richten Fantasien ablenken zu lassen oder mich an alte Worte und Taten zu erinnern, dann muss ich mein Elend Gott klagen.</p><p>Wenn ich mich bedr&#228;ngt f&#252;hle von dieser trockenen W&#252;ste und den Eindruck habe, dass ich keine einzige geistliche Regung mehr hervorbringen kann, dann muss ich &#8211; damit ich w&#252;rdig werde, von dieser F&#228;ulnis des Geistes befreit zu werden, die ich durch Seufzen und St&#246;hnen nicht von mir absch&#252;tteln kann &#8211; mein Elend vor Gott klagen: &#8218;O Gott, neige dich zu mir und hilf mir! Herr, eile, mir zu helfen!&#8216;</p><p>Und umgekehrt: Wenn ich sp&#252;re, dass ich durch das Kommen des Heiligen Geistes Richtung gewonnen habe, Festigkeit des Denkens und Freude des Herzens &#8230; Wenn ich zudem unaussprechliche Freude und ein &#220;berstr&#246;men des Geistes erfahre, wenn ich durch eine pl&#246;tzliche Erleuchtung des Herrn von einer Flut geistlicher Gedanken &#252;berrollt werde (an die ich vorher nie gedacht h&#228;tte), dann muss ich &#8211; damit ich w&#252;rdig werde, in all dem noch l&#228;nger zu verweilen &#8211; oft und voller Hingabe rufen: &#8218;O Gott, neige dich zu mir und hilf mir! Herr, eile, mir zu helfen!&#8216;&#8220;</p>]]></content:encoded></item></channel></rss>